Wie bekommt man einen Freund?

 

Zur Zeit der Feigenernte war Saki der Freund seiner Klassenkameraden, denn er war sehr geschickt im Klettern. Klar, den ersten Ast mussten sie ihm noch hoch helfen, weil er kleiner als seine Kameraden war. Aber dann turnte er wie ein Äffchen in den Baum und warf ihnen die letzten Feigen herunter, die nach der Ernte noch hängen geblieben waren. Saki tat das gerne, weil er dann der Zuneigung seiner Freunde sicher war. „Klasse, Saki, du schaffst es !" „Pass auf, der Ast ist zu dünn!" Aber er war ja nicht schwer. Das schaffte er spielend. Und so hangelte er sich danach schwitzend und stolz wieder vom Feigenbaum herunter. Simeon und Mosche klopften ihm auf die Schultern, schmatzten ihre Feigen und ließen ihn danach meist alleine stehen. Denn eigentlich mochten sie ihn nicht sehr gerne. Schon sein Name! - Sakai bedeutete „unschuldig". Als ob seine Eltern damit sagen wollten, dass ihr Sohn etwas Besseres wäre. Als seine Kameraden dann langsam aber sicher nach ihrem ersten Bibelunterricht größer wurden, kam Saki im Längenwachstum nicht mehr mit. Jeden Tag stellte er sich neben den Türeingang an die getünchte Wand, legte sich ein Brett auf den Kopf und prüfte, ob er schon den Strich überragte, den er sich vor einiger Zeit neben den Eingang gezeichnet hatte. Aber er wuchs einfach nicht. Nun fiel es auch seinen Kameraden auf und irgendwann nannten sie ihn einfach nur „Der Kleine" oder „Kleiner". Wenn Saki das hörte, wurde er wütend und schrie: „Ihr langen Stangen!" oder „Ihr dürren Gerippe"! Dann lachten sie ihn nur aus, weil er sich so aufregte. Saki wurmte es aber noch lange und überlegte sich, wie er es ihnen heimzahlen konnte.

     Saki konnte nicht nur gut klettern. Er war auch gut im Rechnen. Das lag daran, dass er seinem Vater Aaron half, wenn er auf dem Wochenmarkt seine Gewürze verkaufte und so sein tägliches Brot verdiente. Aaron und seine Frau lebten als Gewürzhändler in der Palmenstadt Jericho und besaßen in der Nähe der Stadtmauer ein kleines Häuschen. Aber das mussten sie abzahlen an den Besitzer der Gewürzplantage. Einen Teil der Plantage hatten sie gepachtet. Den mussten sie bewirtschaften und konnten Gewürze ernten. Aber die Pacht war teuer und der Gewinn niedrig. So konnten sie zwar leben, doch sie mussten jeden kleinen Lepton zweimal umdrehen, bevor sie ihn ausgaben. Wenn Saki vor dem Wochenmarkt früh aufstand und auf die Stadtmauer Jerichos kletterte, konnte er im Südosten den Jordan in das Tote Meer fließen sehen und wie die Schatten am Hang der Osthügel des Gebirges Juda nach unten wanderten und die Sonnenstrahlen die Berge in helles Licht tauchten. Die weißen Villen der reichen Plantagenbesitzer glänzten dann in der Morgensonne und wenn ein leichter Wind herüber wehte, konnte man den herrlichen Duft der Weihrauch- und Balsambäume riechen. Dann dachte sich Saki: „ Wenn ich groß bin, will ich reich werden und auch so eine Villa und einen eigenen Gewürzgarten besitzen. Ich werde viele Freunde haben und dann werden sie nicht mehr über mich lachen. Die werden schon sehen! Weil Saki flink und geschickt war, war er auch sehr gut im Murmelspiel. Für nur einen Lepton konnte man am Markt fünf bunte Murmeln kaufen, die man in einem kleinen Säckchen verwahrte. Mit mehreren Kindern wurde dann nach dem Thoraunterricht eine kleine Kuhle gegraben und versucht, die Murmeln aus einer bestimmten Entfernung hineinzuwerfen. Wer es schaffte, die letzte Murmel durch Schnipsen mit dem Finger in das Loch zu befördern, hatte alle Murmeln gewonnen, die während des Spiels ins Loch befördert waren. Und bereits hier schaffte es Saki immer wieder zum Ärger seiner Kameraden, die dicksten Gewinne zu kassieren, so dass er sich die Bewunderung und den Neid seiner Kameraden zuzog. Erst bettelten sie ihn um Murmeln an, weil sie sich keine mehr kaufen konnten. Am Ende war Saki reich an Murmeln, aber keiner wollte mehr mit ihm spielen, weil er doch immer gewann. Aus Wut und Ärger schimpften sie ihn „Giftzwerg", spielten überhaupt nicht mehr mit ihm und ließen ihn schließlich ganz in Ruhe. Nach der Bar Mizwa, an der Saki 12 Jahre alt wurde und zum ersten Mal in der Synagoge die Thora vorlesen durfte, wurde groß gefeiert und Saki konnte jetzt ganz in das Geschäft seines Vaters einsteigen und Gewürze verkaufen. Aber Saki war nicht sehr glücklich darüber. Sie verdienten nur wenig Geld und dabei war doch sein Traum, einmal reich zu werden und es aller Welt zu zeigen, dass er jemand war, den man nicht einfach nur beschimpfen durfte, weil er klein war, sondern zu achten hatte.

     Als er wieder einmal in Gedanken versunken an seinem Stand Gewürze verkaufte, schlenderte ein römischer Offizier zu seinem Stand und kaufte ein paar teure Gewürze ein. „Das macht acht Denare", sagte Saki, und übergab ihm die Gewürze. Der Römer gab ihm zehn und sagte zu Saki: „Der Rest ist für dich, kleiner Mann ! " „O, danke, Herr Centurio", erwiderte Saki und murmelte dann: „So viel Geld möchte ich auch mal haben." Der Offizier schien es gehört zu haben und fragte: „Verdienst du hier nicht genug?" - „Ach, nein, Herr, das Geschäft meines Vaters wirft nur wenig ab. Es reicht immer gerade so zum Leben." „Ich wüsste eine gute Verdienst-möglichkeit für dich, wenn du gut rechnen und mit Geld umgehen kannst." „O ja, das kann ich, in Mathe hatte ich immer eine Eins!" „Dann melde dich doch mal heute Abend nach Sonnenuntergang bei der römischen Zollwache in der Torstraße." Gesagt getan. Saki wollte reich werden. Es gab noch einen heftigen Streit mit seinen Eltern, die überhaupt nicht einverstanden waren, dass Saki für die Römer Steuern eintreiben sollte. Aber Saki war inzwischen alt genug und wechselte seinen Beruf.

     Nun endlich ging es bergauf. Er verdiente schnell und gut. Seine Aufgabe bestand darin, allen Händlern, die zum Wochenmarkt wollten und am römischen Zollhaus vorbeikamen, Steuergelder abzunehmen. Davon musste er einen bestimmten Teil dem römischen Offizier geben, den anderen Teil konnte er selbst behalten. Im Laufe der Zeit war er so tüchtig geworden, dass er andere Leute bei verschiedenen Zollstellen einstellen konnte und selbst nur zu kontrollieren brauchte, wie die Geldgeschäfte liefen.

     Saki wurde reich und reicher. Dass er dabei die Leute ärgerte, weil er oft zu viel verlangte, war ihm egal. Ihn hatte man früher oft genug geärgert, jetzt konnte er sich rächen. Weil das Geld stimmte, konnte er sich jetzt die teuersten Kleider kaufen und nach einigen Jahren hatte so viel Gewinn beisammen, dass er sich eine wunderschöne Villa in Hanglage am Gebirge Juda in den Gewürzgärten kaufen konnte. Er hatte sich auch inzwischen in eine junge Frau verliebt und bald darauf wurde ganz groß geheiratet. Saki trug seine Frau über die Schwelle seiner Villa und alles, was Saki erreichen wollte, hatte er jetzt erreicht. Er war reich, hatte eine Frau, eine Villa und einen eigenen Gewürzgarten. Aber etwas fehlte noch zu seinem Glück. Schon bei seiner Hochzeit merkte er es. Die einzigen, die als Gäste kamen, waren der Rabbi, seine Eltern, Schwiegereltern und seine römischen Kollegen mit deren Frauen, aber keiner von seinen früheren Klassenkameraden. Auch keine Kunden, die er vom Markt her kannte, als er noch Gewürze verkaufte. Nach der Hochzeit lebten Saki und seine Frau recht schön in ihrer neuen Villa und ließen es sich gut gehen. Aber immer vor dem Passahfest, wenn alle ihre Freunde und Verwandten einander einluden , wurde Sarah traurig, denn zu ihnen kam niemand. Saki war in ganz Jericho verhasst. „Der arbeitet mit den römischen Soldaten zusammen", hieß es. „Saki betrügt die Leute und nimmt ihnen zu viel Standgebühren ab" und „kein Wunder, dass er so reich ist, von unseren Steuergeldern, dieser Giftzwerg."

     An diesem Freitag aber sollte alles anders werden und das kam so: „Saki, wo gehst du hin ?", rief ihm seine Frau hinterher. „Ach, nur in die Stadt, das Wochengeld von den Zollstellen kassieren und noch mal zum Markt für den Hammelbraten." - „Dann vergiss den Knoblauch und die Brotfladen nicht. Aber kauf nicht so viel, wir haben ja doch keine Gäste“, rief seine Frau ihm nach. - „Ja, ja, schon gut, bis später!", rief Saki und machte sich auf den Weg in die Stadt hinunter. Nachdem er an den verschiedenen Steuerbüros sein Geld kassiert hatte, schlenderte er über den Markt. Gleich ging er zum Schlachter Mosche. „Shalom, Mosche, wieg mir mal 10 kg Hammelbraten ab!" - „Soviel? Hast du denn Gäste heute Abend? „ - Na klar", log Saki, „tolles Haus, schöne Frau, guter Wein und nette Gäste." „Na denn, am Fleisch soll' s nicht liegen", meine Mosche. - „Hier sind 5 Denare für deinen Sohn, wenn er es meiner Frau gleich anliefert"... „In Ordnung!“ So kaufte er denn auch noch Knoblauch und Fladenbrot und ließ es seiner Frau durch Boten schicken, denn Geld spielte bei ihm ja keine Rolle. Am Gemüsestand traf er Simeon, dem er früher mal Feigen vom Baum geholt hatte. „Shalom, Simmi, hast du Lust mit uns zu Abend zu essen, wir haben noch einen guten Schluck Wein und zarten Hammelbraten. Und du kannst mir glauben, dass meine Sarah eine wunderbare Köchin ist." - „Bei dir ? Zum Sabbath essen? Bist du überhaupt noch ein Jude? Du mit deinen römischen Freunden. Lade die doch ein! Ich feiere außerdem schon bei meinen Nachbarn. Das sind wenigstens richtige Freunde und nicht solche Geldeintreiber wie du." Das war deutlich. Bei den anderen Klassenkameraden, die er von früher kannte, war es ähnlich. Kaum, dass er fragte: „Hast du heute Abend schon etwas vor?" kriegte er nur ablehnende oder hässliche Antworten. Mit ihm wollte niemand das Sabbathfest feiern. Und wieder mal hatte er zu viel eingekauft. Er hatte Geld und Gut aber niemanden, der sein Freund sein wollte. Er war verachtet. Keiner mochte ihn. Während er noch trübsinnig überlegte, ob er jetzt nach Hause gehen sollte, entstand plötzlich eine Unruhe auf dem Markt. Die Leute wandten sich von den Ständen ab schauten gebannt zur Straßenecke. Immer mehr Neugierige drängten sich jetzt dorthin. Saki schnappte einige Wortfetzen auf: „…blind …kann wieder sehen… Zimmermann…Sohn des Timäus…Rabbi Jesus."

     Was war denn da los? Er drängte sich durch die Menge, die einen Kreis um einen jungen Mann gemacht hatte. Tatsächlich! Das konnte doch nicht wahr sein! Da stand Timmi, der Sohn vom alten Timäus und wurde bestaunt wie das siebente Weltwunder. „Leute", rief der, „ich bin es wirklich, schaut mich an. Ich kann wieder sehen. Ich war blind und kann wieder sehen. Und jetzt sehe ich euch. So seht ihr also aus! Was für wunderbare Gesichter, lasst mich euch hören. Ja, die Stimme von Mosche, dem Schlachter und von Mirjam, der Tuchverkäuferin. Eure Gesichter, eure Kleidung, die Farben, das Licht! Ich fass es nicht. Hallelujah, Hallelujah, Preis sei Gott! Danke dem Sohn Davids, dem Zimmermann aus Nazareth, Jesus." „Jesus, der Zimmermann aus Nazareth ?", murmelte Saki vor sich hin und auch die Leute riefen es erstaunt aus. „Ja", rief Bar Timäus, „und er wird gleich hier durchkommen." „Den muss ich sehen", riefen die Leute. „Ich hole meine kranke Tochter" „Und ich frage ihn, ob er mich von meinem Asthma heilen kann"... "und mich von meinem Rheuma." - „Ich werde ihn zum Essen einladen", sagte ein vornehmer Pharisäer, „bei mir wird er sich wohl fühlen. Ich habe immer alle Gebote Gottes gehalten. Und anschließend zeige ich ihm unsere schöne Synagoge und den Thoraschrank. Dann werde ich mit ihm über die Bibel und über die römische Besatzungsmacht diskutieren. Das wird ein interessanter Abend."

     „Ich muss unbedingt Jesus sehen", murmelte auch Saki, „ich will ihn kennen lernen." Immer mehr Menschen drängten sich bereits an den Straßenrändern. Saki war etwas nach hinten abgedrängt worden und konnte absolut nichts sehen. Nur dass Jesus bald hier vorbei kommen musste. Er wollte Jesus sehen. Zaghaft versuchte er, weiter nach vorn zu kommen. Die Leute bildeten eine undurchdringliche Mauer. Saki drängelte. „Lasst mich bitte durch, ich bin zu klein, um etwas sehen zu können." Aber da hättet ihr die Leute mal hören müssen. Kaum, dass sie sich wegen des Drängelns umsahen und den Steuereintreiber Saki erkannten, fingen sie an zu spotten: „Ach nee, der Herr Obersteuerheini möchte den Rabbi Jesus sehen. Willst du ihm etwa auch Geld abknöpfen?“ „Vielleicht will er ihm ja beibringen, wie man mit Betrügereien reich werden kann und ihm seine Villa zeigen." „Saki, ich habe eine Idee, wie du Jesus sehen kannst: Nimm dir doch einen römischen Soldaten. Der kann dich Huckepack nehmen." Alle lachten über den Witz, aber keiner ließ ihn durch. Ja, sie hatten ihre wahre Freude daran, dass Saki nichts sehen konnte und machten extra die Lücken dicht. Aber nun war Saki alles egal. Er wollte unbedingt Jesus sehen. „O Gott", rief er leise zum Himmel, „bitte lass mich Jesus sehen, auch wenn ich es nicht verdient habe".

     Saki blickte suchend nach oben. Da sah er plötzlich Zweige und Äste und einen knorrigen alten Baumstamm. Der Kletterbaum ! Die alte Sykomore. Der Baum, auf den er früher geklettert war, um für seine Kameraden die letzten Feigen zu ernten. „Ob ich noch klettern kann? Und das in meinen teuren Klamotten? Und was die Leute wieder spotten werden? – Egal! >Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert<. Ich will Jesus sehen. Und so ergriff er den niedrigsten Ast, schwang ein Bein hoch, wälzte sich auf den Ast und kletterte unter dem Gelächter und Gespött der Leute weiter in die Baumkrone des alten Maulbeer-feigenbaumes hinein, bis man nur noch seine Sandalen und den eingerissenen unteren Saum seines Umhangs sehen konnte. Seinen hochroten Kopf hielt er hinter den grünen Blättern versteckt. Aber nun konnte er endlich sehen, weit über die Köpfe hinweg bis zum Ende der Marktstraße. Und da kam endlich eine Gruppe von Männern. Und der in der Mitte mit dem freundlichen Gesicht, das musste Jesus sein. So sah er also aus. Eigentlich ganz normal. Endlich kann ich ihn sehen. „Hoffentlich entdeckt er mich nicht. Das wäre total peinlich." Aber niemand achtete mehr auf Sakai, den Unschuldigen.

     Alle wollten Jesus sehen und hören und hätten es am liebsten gehabt, wenn er zu ihnen gekommen wäre, um zu heilen, um sie zu sprechen oder um sich von ihnen einladen zu lassen. Aber Jesus ging freundlich und ruhig immer geradeaus, weiter auf das südliche Stadttor, auf den Ausgang zu und kam dem Feigenbaum immer näher. Saki klopfte das Herz bis zum Halse vor Aufregung. Jetzt war Jesus ganz nahe. Hoffentlich entdeckte er ihn nicht, ihn, den Betrüger, den Halsabschneider, den Geldhai, den verhassten Steuereintreiber, den kleinen Giftzwerg mit dem Namen „Unschuldig". Jetzt war Jesus unter dem Baum. Saki versteckte sein Gesicht hinter den Blättern.

     Doch da, was war das? Träumte er: „Sakai?“ Sprach da jemand seinen Namen? „Sakai"? Er schaute sich um. Hieß da noch jemand Sakai. „Sakai, komm herunter von deinem Baum! Ich möchte heute bei Dir zu Gast sein!" Das war Jesus, der da sprach, es war Jesus, der seinen Namen sprach. Kein Zweifel: es war Jesus, der bei ihm zu Gast sein wollte." „Ja, ja, ich bin Sakai, ja Jesus, ich komme, ich bin gleich unten. Warte bitte, nur noch eben meine Jacke, die hängt hier noch am Ast. So, jetzt!" Da machte es noch einmal ganz laut „ratsch" und der Rest von seinem Mantelsaum blieb im Gezweig hängen. „Hast du mich gemeint, Rabbi Jesus, als du Sakai riefest," - „Ja, dich habe ich gemeint“, lächelte Jesus ihm zu. „Darf ich mit meinen Freunden bei dir zu Gast sein?“ „Aber gerne, Rabbi, gerne. Seid alle meine Gäste, ich geh voran, da, da, da vorne, da hinten, hinter der Stadtmauer dann rechts, den Hügel hinauf. Das weiße Haus da oben in den Balsamgärten. Und meine Frau hat schon...es gibt nämlich Hammelbraten mit Knobi und am guten Wein soll es auch nicht fehlen. Ich lauf schon voraus, meine Frau muss das wissen.... Saki hüpfte vor und zurück und wusste vor Freude nicht, wie er sich verhalten sollte. „Und dann biegt der Weg noch einmal nach links. Und wenn ich es Sarah gesagt habe, komme ich gleich wieder und führe euch weiter zu meinem Haus." Als die Leute das ganze Theater um Sakai mitverfolgt hatten, da gab es lange Gesichter und ärgerliche Ausrufe. „Mich hat er nicht geheilt !" ...."Und mit mir hat er nicht geredet." „Mich hat er nicht mal gegrüßt" „Und zu diesem Gauner, diesem Oberfinanzheini Sakai geht er zum Abendessen, statt mich und meine Synagoge zu besuchen. Den Mann muss man beobachten! Der ist gefährlich. Wenn der ein Prophet wäre, musste er doch sehen, mit wem er sich da einlässt."

     „Sarah! Sarah!, schnell, den Hammelbraten auf den Herd, den besten Wein aus dem Keller. Wir bekommen Gäste, dreizehn Personen, Jesus und seine zwölf Freunde." Und schon eilte Sakai wieder den Weg hinunter zu Jesus und seiner Gruppe, um sie zu sich nach Hause zu begleiten. Und als sie sich später alle auf Polstern um den Tisch gelagert hatten, erhob sich Sakai zu einer kleinen Tischrede. „Herr", sagte er zu dem Rabbi Jesus, „Herr Jesus!", und dann liefen ihm die Tränen über die Wangen. „So wie es Mose uns in seinem Gesetz geboten hat, will ich allen Menschen, die ich am Zoll betrogen habe das Vierfache von ihrem Verlust ersetzen. Und darüber hinaus werde ich die Hälfte meiner gesamten Güter zu Geld machen und es an die Armen der Stadt verteilen. Denn du bist zu mir gekommen, in das Haus eines Zöllners und Betrügers."

     Da stand auch Jesus auf und legte seinen Arm um Sakai. „Heute, mein lieber Sakai, ist diesem Haus, ist dir und deiner Familie Heilung geschehen. Du bist auch ein Nachkomme Abrahams und gehörst zu seinem Volk. Ich bin gekommen zu suchen und glücklich zu machen, was verloren ist. Und ich habe dich gefunden. Darum lasst uns fröhlich sein und feiern. Denn es ist Freude im Himmel über einen Sünder, der zu Gott zurückkommt!" Nun hatte Sakai einen besten Freund, Jesus, und viele neue Freunde, die auch mit Jesus unterwegs waren.

 

(nacherzählt aus dem Neuen Testament der Bibel: Lukas 19,1-10 )

© H.W.Euhus

 

Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Jürgen Werth